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QUEERKRAM

Aktuell: QUEERKRAM ist von Apple als einer der 10 besten neuen Podcasts 2020 ausgezeichnet worden. - Mit Johannes Kram vom Nollendorfblog und queer.de haben sich zwei wichtige queere Stimmen Deutschlands zusammengeschlossen, um spannende Menschen (nicht nur) aus der Community vorzustellen und mit ihnen intensiv und sehr persönlich über drängende Themen wie Homophobie, Queerfeindlichkeit, queere Sichtbarkeit oder die Situation von LGBTI* Gesellschaft, Kultur und Medien zu sprechen. Kein anderer ist dafür als Interviewpartner besser geeignet als Johannes Kram, der mit seinem Blog und seinem Buch 'Ich hab ja nichts gegen Schwule, aber…' den Finger immer wieder tief in die Wunde legt und es gleichzeitig schafft, ein neues Wir-Gefühl in der Community zu schaffen. (queer.de vom 27.02.2020) *deutsch für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell/Transgender und IntersexuellQUEERKRAM wurde von Apple als einer der zehn besten neuen Podcasts 2020 ausgezeichnet.

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  • 27.02.2021
    40 MB
    01:05:37
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    Karin Hanczewski und Godehard Giese über ihre 'Act Out'- Bilanz und wie es weitergeht

    Die #ActOut Initiator*innen der Coming-out Aktion von 185 Schauspieler*innen sprechen über die bewegende Entstehungsgeschichte, die Folgen und die nächsten Schritte.Hätte er gewusst, was #ActOut alles auslösen wird, hätte er es wohl nicht gemacht, lacht Godehard Giese. Der Star aus "Babylon Berlin" und seine "Tatort"-Kollegin Karin Hanczewski sind die Initiator*innen des Manifests von 185 Schauspieler*innen, das am 5. Februar im "SZ-Magazin" veröffentlicht wurde. Drei Wochen später ist das Duo zu Gast im QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram und spricht erstmals gemeinsam über die Vorgeschichte, das Erreichte und die nächsten Schritte. #ActOut schreibe gerade "deutsche queere Geschichte", sagt Kram in seiner Einleitung. In der Tat ist es den 185 Unterzeichner*innen gelungen, mit einem großen und überraschenden Knall nicht nur queere Sichtbarkeit zu schaffen, sondern vor allem eine gesellschaftliche Debatte über mangelnde Diversität in Film, Fernsehen und Theater zu starten und mehr Bewusstsein für bestehende Diskriminierungen zu schaffen.Das Medien-Echo war zunächst fast ausschließlich positiv, droht jedoch derzeit umzukippen. In der erbitterten Verteidigung von Sandra Kegels queerfeindlichem "FAZ"-Kommentar zu #ActOut durch SPD-Politiker*innen und Feuilleton-Kolleg*innen zeigt sich, wie schnell die angebliche Offenheit und Unterstützung ins Gegenteil umschlagen kann.Im Podcast geht es aber vor allem um die Erfolgsgeschichte des Manifests und die "großen Lernprozesse", die die Initiator*innen selbst durchlaufen haben. "Wir haben als weiße cis Homos angefangen", berichtet Godehard Giese. Im Laufe von zwei Jahren – so lange dauerte tatsächlich die Vorbereitungszeit – habe man sich nicht nur für das gesamte LGBTI-Spektrum geöffnet, sondern sei im Hinblick auf Intersektionalität insgesamt viel diverser geworden, so der 48-Jährige. In persönlichen Gesprächen mit Kolleg*innen habe sie viel gelernt, räumt auch Karin Hanczewski ein: "Wenn man Privilegien genießt, sieht man gar nicht, dass es sie gibt."Für beide war #ActOut ein großer und sehr persönlicher Schritt. Die prominenten Schauspieler*innen erzählen im Gespräch mit Johannes Kram offen von ihren Ängsten und schlaflosen Nächten. Hanczewski machte sich schließlich selbst Mut: "Wenn ich weiter im Schrank bleibe, trage ich zu einer Welt bei, in der ich nicht leben will."Nach der Veröffentlichung habe sie sich befreit und sexy gefühlt, so die 39-jährige "Tatort"-Schauspielerin. "Die Angst, die mir ständig entgegenbracht wurde, ist nicht mehr meine." Auch Godehard Giese bereut sein Engagement nicht. Es habe seitdem viele Gespräche in der Branche und Einladungen von Entscheidungsträger*innen gegeben. "Aufgrund der großen Gruppe finden wir Gehör", sagt Hanczewski. "Da ist was an Tageslicht gekommen, was vorher versucht wurde, unter den Teppich zu kehren."Derzeit überlegt die Gruppe, sich mit der Queer Media zusammenzuschließen, um nachhaltige Veränderungen zu erreichen. Einig ist man sich im Podcast, dass mehr queere Personen in Entscheidungspositionen gebraucht werden. Für mehr Diversität vor der Kamera fordert Godehard Giese von den Fernsehsendern echte "Lust" auf Vielfalt, das dürfe nicht nur als "Auftrag" gesehen werden.Karin Hanczewski kann sich "im Zweifel" sogar eine queere Quote vorstellen: "Wir werden nicht mehr aufhören, das einzufordern, bis es stattfindet."- Micha Schulze, 27.02.2021 queer.de

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  • 06.02.2021
    38 MB
    01:02:19
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    Klaus Lederer über 'sanften Druck' auf Wowereit und die soziale Frage in der Pandemie

    Berlins linker Kultursenator spricht über queere Menschen in der Pandemie, Kämpfe mit der SPD, rot-rot-grüne Perspektiven und Queerpolitik als "Generationenaufgabe". In der Queerpolitik ist die Stadt Berlin immer wieder Vorreiterin. Zu den Corona-Weihnachten 2020 erlaubte der rot-rot-grüne Senat als erste Landesregierung auch Begegnungen von Nicht-Verwandten, und mit der "Initiative Sexuelle Vielfalt" trat in der Hauptstadt bereits 2010 der allererste Landesaktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit in Kraft.An beiden Beschlüssen hat der Linken-Politiker Klaus Lederer, seit 2016 Bürgermeister und Kultur- und Europasenator von Berlin, entscheidend mitgewirkt. Dabei wollte der heute 46-Jährige, als er 2003 erstmals in Abgeordnetenhaus einzog, "gar keine Schwulenpolitik machen", wie er im neuen QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram erzählt. Persönliche Erfahrungen mit Homophobie im Parlament (CDU-Vizepräsident Andreas Gram warf ihm einmal vor, "unverschämt in eigener Angelegenheit" zu agieren) und die Erkenntnis, dass er als damaliger rechtspolitischer Sprecher seiner Fraktion genau am richtigen Hebel sitzt, um Diskriminierungen zu bekämpfen, änderten seine Haltung.Berlin wurde zwar von 2002 bis 2011 von einer rot-roten Koalition regiert, doch in der SPD habe es viele Blockierer*innen gegeben, berichtet Lederer im Podcast. So habe sich Justizsenatorin Gisela von der Aue 2008 geweigert, ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Benachteiligung von eingetragenen Lebenspartnern bei der Hinterbliebenenrente umzusetzen. Erst nach einem Anruf beim Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit und der Drohung, in seinem CSD-Grußwort die SPD-Blockade öffentlich zu machen, habe sich der Koalitionspartner bewegt. Über seinen früheren Chef weiß der Linken-Politiker im Podcast nur Positives zu berichten: "Wowereit war ein Glücksfall für die Stadt", sagt Lederer. Mit einem der "größten und wirksamsten Outing-Acts in dieser Zeit" habe er "enorm viel" für queere Menschen getan.Im Gespräch mit Johannes Kram geht es auch um rot-rot-grüne Perspektiven für Berlin und den Bund, einen besonders großen Stellenwert nimmt natürlich die Coronakrise ein. Ausführlich spricht der Kultursenator über den Beginn der Pandemie (früher als die anderen Bundesländer ordnete Lederer die Schließung der staatlichen Theater, Opern und Konzerthäuser an). Er hebt die schwerwiegenden Folgen insbesondere für Künstler*innen, die queere Community und andere marginalisierte Gruppen hervor und lobt das Hilfsprogramm seines Senats für Soloselbstständige. Doch er sieht auch zahlreiche Fehler der Politik, die etwa grundlegenden Fragen im Umgang mit Pandemien ausweiche.Als "unsägliche Diskussion" bezeichnet Lederer die Ende 2020 bei den Bund-Länder-Beratungen beschlossene Bevorzugung leiblicher Verwandter bei den Kontaktbeschränkungen zu Weihnachten. "Ich kenne ganz, ganz viele Menschen, und mir geht es auch selber so, die sich gar nicht so sehr über ihre biologischen Familienbeziehungen definieren, sondern die so etwas wie Wahlverwandtschaften, Wahlfreundschaften viel wichtiger finden", so der Spitzenkandidat der Berliner Linken im Podcast. "Und wenn ich in einer Gesellschaft dermaßen drastische Einschränkungen des Privatlebens verordne, dann muss ich diesen gesellschaftlichen Realitäten Rechnung tragen, und das ist einem Großteil der Ministerpräsident*innen und der Kanzlerin nicht gelungen."Dass sich die Opposition über die Berliner Ausnahmeregelung nicht aufgeregt habe, wertet Lederer immerhin als "Zeichen, dass sich manche Dinge zum Positiven verändert haben". Auch die Initiative Sexuelle Vielfalt habe in den vergangenen zehn Jahren, "gesellschaftlichen Mindset Stück für Stück verändert", ist sich der Kultursenator sicher, auch wenn die beschlossenen Maßnahmen noch lange nicht ihr Ziel erreicht hätten. Der Kampf gegen Queerfeindlichkeit bleibe eine "Generationenaufgabe".Micha Schulze auf queer.de, 6. 02. 2021

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  • 25.01.2021
    36 MB
    58:55
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    Kristina Marlen über Sexarbeit, Berührungen und die "heteronormative Fratze"

    Weihnachten ist ein guter Anlass, um über Sex zu reden. Dank der Ministerpräsident*innen dürfen wir – außer in Berlin und Sachsen – über die Feiertage nur Verwandte treffen, nicht aber unsere Wahlfamilien. "So offen hat sich die Fratze der heteronormativen Ordnung selten gezeigt", kommentiert Kristina Marlen im neuen QUEERKRAM-Podcast die diskriminierenden Kontaktbeschränkungen. Für die queere Sexarbeiterin, Künstlerin, Autorin und Feministin aus Berlin ist die irrationale Beschränkung auf die sogenannte Kernfamilie eine "ganz klare Abwertung und Unsichtbarmachung anderer Lebensmodelle".Für Gastgeber Johannes Kram hat es durchaus etwas mit der klassischen Weihnachtserzählung zu tun, dass nicht nur konservative Politiker*innen Familie ausschließlich über Abstammung definieren. "Unser gesellschaftlich wichtigster Feiertag ist immerhin einer, bei dem wir die Geburt eines Kindes feiern, das vorgeblich ohne Sex entstanden ist", sagt er in seiner Einleitung. "Wir feiern die heilige Familie, die also eine sexlose ist."Für Kristina Marlen ist es nicht überraschend, dass gerade in der Pandemie die Moralkeule geschwungen wird und Politiker*innen versuchen, ihre konservative Agenda durchzudrücken. Im Podcast berichtet sie von ihren leidvollen Erfahrungen aus der Hurenbewegung und ihren Kampf gegen ein Sexkaufverbot. Die Bestrafung von Freiern nach schwedischem Vorbild würde Sexarbeiter*innen nicht helfen, sondern sie stigmatisieren und gefährden."Rechte statt Verbote", lautet ihre Alternative, um Ausbeutung und Gewalt in der Prostitution zu beenden. In ihrem Bemühen um eine "geschlechtergerechte Sexarbeit" – und auch aus persönlichen Vorlieben, wie sie im Podcast verrät – bietet sie seit fünf Jahren bewusst Dienstleistungen für Frauen an. "Sexismus und Patriarchat sind das Problem", nicht die Sexarbeit an sich, von der die Gesellschaft profitiere, so Marlen im Gespräch mit Johannes Kram.In dem spannenden Podcast geht es in knapp einer Stunde u.a. auch um die Wichtigkeit körperlicher Berührungen, Erfahrungen mit BDSM und das Aufbrechen von Schubladen, das der "Forscherin im Körperlichen" ganz besonders am Herzen liegt. Für Kontroversen dürfte ihr Satz "Man kann das Begehren verändern" sorgen, den einige Hörer*innen als Angriff auf ihre Identität missverstehen könnten. "Ich höre ja nicht auf Lesbe zu sein, weil ich mal mit einem Mann Sex gehabt habe", kontert Marlen und empfiehlt, weniger theoretisch zu streiten als vielmehr konkret über Lust zu reden.In eine Schublade steckt sich Kristina Marlen in diesem Zusammenhang allerdings selbst: "Meine hauptsexuelle Orientierung ist Schlampe."Micha Schulze, auf queer.de am 24.12.2020--

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  • 25.01.2021
    38 MB
    01:02:10
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    Manuela Kay über Schwule gegen Lesben, Berliner Szene und lesbischen Selbsthass

    Die "Siegessäule"-Verlegerin Manuela Kay spricht über ideologische Kämpfe in der Hauptstadt-Community, wann schwule Männer "mal die Klappe halten" sollten und wie lange das Geld der Spendenkampagne noch reicht.Manuela Kay, Jahrgang 1964, ist eine Szene-Institution, und zwar eine mit echter Berliner Schnauze. Die Autorin, Filmemacherin und Aktivistin hat u.a. Deutschlands ersten Lesbenporno gedreht und mit "Schöner kommen" einen erfolgreichen lesbischen Sexratgeber geschrieben. Das einst rein schwule Berliner Stadtmagazin "Siegessäule" brachte sie als Chefredakteurin auf queeren Kurs, nebenbei konzipierte sie das Lesbenmagazin "L-Mag". Zusammen mit Gudrun Fertig ist sie seit 2012 Verlegerin dieser beiden wichtigen Community-Medien.Kay hat viel zu erzählen, und im Gespräch mit Johannes Kram plaudert sie im neuen QUEERKRAM-Podcast auch wie erhofft aus dem queeren Nähkästchen mit netten Anekdoten und kleinen Schlägen nach rechts und links. Ein Thema ist natürlich der Dauerstreit in der Hauptstadt-Community, der den Rest der Republik eher nervt. "Die Berliner Szene kann die Pest sein", räumt die "Siegessäule"-Verlegerin ein und bestätigt das Klischee: "Viele sind total abgehoben, die beschäftigen sich nur mit sich selbst." Was freilich gelegentlich auch ein Blick in ihr eigenes Stadtmagazin zeigt…Schwule und Lesben könnten viel voneinander lernen, glaubt die 56-Jährige. Sie selbst schätze an schwulen Männern den eher lockeren Umgang mit Sexualität, die Freude am Spaß und das Wissen, wie man sich durchsetzt. Damit die Zusammenarbeit mit lesbischen Frauen klappt, sollten schwule Männer "lernen, mal die Klappe zu halten", rät Kay im Podcast. "Sie müssen bereit sein, Lesben auch in entscheidende Positionen zu lassen und von ihrer Macht etwas abzugeben." Im eigenen Verlag sei das gelungen.Im Gespräch mit Johannes Kram geht es außerdem um lesbischen Selbsthass, die sogenannte Cancel Culture, die Anstellung von AfD-Wähler*innen, Kays großen Frust über Deutschlands lesbische Promis und warum ausgerechnet eine heterosexuelle Fußballnationalspielerin auf das "L-Mag"-Cover kam.Besonders spannend: Erstmals berichtet die Verlegerin ausführlich über den absolut glücklichen Zufall, der zur erfolgreichen Corona-Spendenkampagne für die "Siegessäule" führte. Mit Unterstützung u.a. des Fotografen Wolfgang Tillmans kamen über 220.000 Euro zusammen, mit denen das Magazin in den vergangenen Monaten über die Runden kam. "Wenn die beschissene Corona-Situation für irgendwas gut ist", so Manuela Kay, "dann dafür zu lernen, dass man sich gegenseitig noch mal anders unterstützt".Der neue Teil-Lockdown und die Schließung von Bars, Cafés, Restaurants, Kinos und Theatern seit Anfang November bedrohen das Heft nun erneut. "Wenn die untergehen, gehen wir mit unter", sagt die Chefin des werbefinanzierten Magazins über ihre potenziellen Anzeigenkunden. Sie weiß: "So eine Spendenaktion kannst du nur einmal machen."Micha Schulze, queer.de 7.11.2020

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  • 25.01.2021
    38 MB
    01:02:00
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    Kevin Kühnert zu queerfeindlichem Terrorismus und einer "Selbstlüge"

    Der SPD-Vizechef spricht über das Desinteresse der Gesellschaft an Queerfeindlichkeit, die Homophobie von Merz und Laschet, die Abwahl von Donald Trump und eine frühere "Selbstlüge".Vor knapp zwei Wochen forderte Kevin Kühnert im "Spiegel", die politische Linke müsse ihr angebliches Schweigen zu islamistischem Terror beenden – parallel enthüllte das Magazin, dass das Attentat auf zwei Männer in Dresden einen mutmaßlich homofeindlichen Hintergrund hat. In seinem Text konnte der Noch-Juso-Vorsitzende, SPD-Vizechef und Bundestagskandidat nicht mehr darauf eingehen – im neuen QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram hatte er nun dazu die Gelegenheit.Warum schweigt ein Großteil der politischen Elite zu queerfeindlichem Terrorismus, will Kram, der sich an die Sprachlosigkeit der Bundesregierung nach dem Attentat von Orlando erinnert fühlt, von Kühnert wissen. Der vermutet ein "Missverständnis in der Mehrheitsgesellschaft", die den Wunsch nach Gleichbehandlung als Aufruf interpretiere, über die sexuelle Orientierung zu schweigen."Wir müssen auch wegkommen von diesem ritualisierten 'Das ist ein Angriff auf uns alle'", fordert der 31-jährige SPD-Shootingstar in diesem Zusammenhang. Hinter dieser Floskel, die auch am Sonntag bei der vom CSD organisierten Mahnwache in Dresden zu hören war, verberge sich oft ein "weitschweifiges Desinteresse an den eigentlichen Gründen von Angriffen", so Kühnert. "Es ist schön, wenn sich Leute mitangegriffen fühlen und dann Empörung und Widerstand daraus entwickeln, aber angegriffen werden häufig sehr gezielt ganz bestimmte Gruppen."Im Podcast wagt der Juso-Chef außerdem eine Prognose zur US-Wahl am Dienstag, spricht über seine Strategie gegen Populismus ("Mehr kommunizieren, verständlicher kommunizieren, ja und auch ruhiger kommunizieren") und wie sich der Einsatz für Minderheitenrechte und soziale Gerechtigkeit miteinander verbinden lassen.Natürlich geht es auch um die Queerfeindlichkeit der Bewerber um den CDU-Vorsitz. Dass Friedrich Merz beim Thema Homosexualität sofort an Pädophilie denkt, interpretiert Kühnert entweder als dessen feste Überzeugung oder bewusste Äußerung, um den rechten Rand zu triggern. "Das ist wie, als wenn Armin Laschet den polnischen Staatspräsidenten empfängt und sagt, ich habe kein Problem, dass er Pole ist, solange er nicht meine Armbanduhr klaut." Als Grund dafür, warum die so offensichtliche Queerfeindlichkeit von Merz in der Union nicht erkannt wird, vermutet der SPD-Vizechef "fehlende Empathie" mit Lesben und Schwulen.In dem gut einstündigen Gespräch mit Johannes Kram übt Kevin Kühnert, der vor zweieinhalb Jahren in einem "Siegessäule"-Interview erstmals unspektakulär über sein Schwulsein sprach, auch Selbstkritik. Während er vor zwei Jahren noch meinte, seine Homosexualität sei für sein politisches Handeln nicht so relevant, bezeichnete er dies nun als "Selbstlüge". Es sei eine Stärke, die eigene queere Perspektive einzubringen und der "Autorität der eigenen Biografie" zu vertrauen.Nicht zuletzt geht es im Podcast auch um Privates. Kühnert, der mit der S-Bahn zum Tonstudio gekommen ist, spricht über seinen Versuch, als Spitzenpolitiker "Teil des normalen Lebens" zu sein, erzählt von seinen enormen Kräuterschnaps-Vorräten und seinem Tinder-Profil. Freuen darf man sich auch auf einen bevorstehenden Auftritt in Drag.Micha Schulte, queer.de 2.11.2020

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  • 25.01.2021
    36 MB
    59:07
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    Linus Giese: "Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären!"

    Buchautor Linus Giese spricht über Lust und Leid an der Aufklärung über geschlechtliche Vielfalt, Faulheit und Voyeurismus bei cis Menschen sowie angebliche "Transgenderpropaganda" in Kitas. "Ein Buch, das fehlte", schrieb Fabian Schäfer im vergangenen Monat hier auf queer.de über den Rowohlt-Bestseller "Ich bin Linus" von Linus Giese. Tatsächlich hat der Berliner Buchhändler, Blogger und Aktivist mit der Schilderung und Reflektion seiner eigenen Transition eine wichtige Lücke geschlossen. Sein Buch bietet zum einen Identifikation und Empowerment für andere trans Menschen, insbesondere Männer, zum anderen Aufklärung für solidarische, neugierige oder verunsicherte cis Personen. Wie man diese beiden völlig verschiedenen Zielgruppen unter einen Hut bekommt und wie er selbst mit den überwältigenden Reaktionen auf sein Buch umgeht, darüber spricht Giese im neuen QUEERKRAM-Podcast erstmals ausführlich mit Johannes Kram. Der für seine zugespitzten Kurznachrichten bekannte trans Aktivist, dem auf Twitter fast 19.000 Menschen folgen, öffnet sich dabei erstaunlich weit, zeigt sich sympathisch-nachdenklich und vergleichsweise zurückhaltend.Im Podcast geht es auch über die frustrierende Tatsache, dass über trans Menschen so viel Unsinn erzählt und geschrieben wird. "Ein großer Teil der Gesellschaft kennt sich gar nicht aus", konstatiert Giese und berichtet etwa von hochpeinlichen Messages, die er auf Planetromeo bekommt. Er ist es leid, ständig den Aufklärer zu geben, obwohl er es mit seinem Buch ja dennoch tut. "Trans Menschen müssen nicht ihre Existenz erklären", reagiert er auf dumme Fragen, über die sich jede*r im Internet informieren kann. Dass cis Menschen einfach nicht dazuzulernen wollen, nennt er sehr treffend "Faulheit und Voyeurismus".Im Gespräch mit Johannes Kram geht es natürlich auch um die Geschichte des Starbucks-Bechers, der das Buchcover ziert, Hass in sozialen Medien, Transfeindlichkeit in der LGBTI-Community und die angebliche "Transgenderpropaganda" in Kitas, die die FAZ im vergangenen Monat erfunden hat. Zum Umgang mit trans Kids hat Linus Giese eine klare Haltung: "Ich bin ein ganz großer Verfechter davon, Kindern zuzugestehen, Dinge ausprobieren zu dürfen und zu gucken, wohin es geht. Ich glaube, dass da kein gesellschaftlicher Schaden entsteht."- MIcha Schulze, queer,de 26.09.2020

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  • 25.01.2021
    49 MB
    01:20:18
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    Sookee über Sexismus im Hip-Hop, queere Kinderlieder und Rassismus in der Community

    Die Ex-Rapperin Sookee spricht über ihren Ausstieg aus dem Hiphop vor einem Jahr, ihre neuen Kinderlieder, Bushidos Homofeindlichkeit und ihre scharfe Kritik am Berliner CSD-Verein. Es war ein Paukenschlag. Nach 15 Jahren auf der Bühne verkündete Sookee Ende letzten Jahres nicht nur das Ende ihrer Rap-Karriere, sondern überraschte ihre Fans auch mit einem völlig unerwarteten Metierwechsel: Unter dem neuen Künstlernamen Sukini veröffentlichte die Queerfeministin ein Album ausschließlich mit Kinderliedern, "Schmetterlingskacke" lautet der schöne Titel (queer.de berichtete). Warum sie dem Hiphop den Rücken kehrte – und dass sie unverändert für Gerechtigkeit und Veränderung glüht, erfahren wir im neuen Queerkram-Podcast von Johannes Kram.Sie habe nicht mehr mitspielen wollen in der kommerziellen Musikindustrie, sagt Sookee, die "kapitalistische Verwertungslogik" habe sich immer weniger mit ihren Idealen vereinbaren lassen. Der Abschied sei ihr nicht so schwergefallen, weil sie eines ihrer großen Ziele erreicht habe. "Es wurde Öffentlichkeit für queerfeministische Anliegen im Hiphop geschaffen", so die Pionierin, die im Gespräch stolz viele junge Rapperinnen aufzählt, die heute ihren Fußstapfen folgen.Doch das sind nicht die einzigen Gründe für ihren Ausstieg: In einer sympathischen "Transparenzoffensive" berichtet Sookee über ihr "Helfersyndrom". Sie habe bei Anfragen nie nein sagen können und sich damit selbst überfordert. Auch reflektiert sie über ihre schweren Depressionen und Alkoholmissbrauch als eine Folge ihrer Rap-Karriere. Nun sei sie seit zwei Jahren trocken.Im Podcast – dem längsten der Queerkram-Geschichte – geht es aber nicht nur um ihre Vergangenheit, sondern auch um viele aktuelle Themen. Im Gespräch mit Johannes Kram zeigt sich Sookie, die germanistische Linguistik und Gender Studies studierte, als hochintelligente Beobachterin und Aktivistin, die den rechten Kampfbegriff der "Frühsexualisierung" ebenso auseinandernimmt wie das bewusste Kokettieren mit Queerfeindlichkeit bei Bushido und Co.Auch der queeren Community hält sie den Spiegel vor: "Wegducken hilft nicht", kritisiert Sookee den Umgang mit Rassismus – und fordert in diesem Zusammenhang einen personellen Neuanfang beim Berliner CSD-Verein. Unter dem Motto "Wir machen Platz" sollte das Orgateam im nächsten Jahr zu 80 Prozent aus People of Color bestehen. Sie glaube fest daran: Mit diesem radikalen Schnitt könne sich eine "rassistisch sozialisierte und agierende Community" erneuern.Im Podcast – dem längsten der Queerkram-Geschichte – geht es aber nicht nur um ihre Vergangenheit, sondern auch um viele aktuelle Themen. Im Gespräch mit Johannes Kram zeigt sich Sookie, die germanistische Linguistik und Gender Studies studierte, als hochintelligente Beobachterin und Aktivistin, die den rechten Kampfbegriff der "Frühsexualisierung" ebenso auseinandernimmt wie das bewusste Kokettieren mit Queerfeindlichkeit bei Bushido und Co.Auch der queeren Community hält sie den Spiegel vor: "Wegducken hilft nicht", kritisiert Sookee den Umgang mit Rassismus – und fordert in diesem Zusammenhang einen personellen Neuanfang beim Berliner CSD-Verein. Unter dem Motto "Wir machen Platz" sollte das Orgateam im nächsten Jahr zu 80 Prozent aus People of Color bestehen. Sie glaube fest daran: Mit diesem radikalen Schnitt könne sich eine "rassistisch sozialisierte und agierende Community" erneuern.Micha Schulze, queer.de 12.09.2020

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  • 25.01.2021
    37 MB
    01:00:31
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    Riccardo Simonetti über queere Vorbilder und das Wunderbare am "Anderssein"

    Erstmals ist ein sogenannter Influencer zu Gast. Doch keine Angst, im Gespräch mit Riccardo Simonetti geht es fast gar nicht um Mode, Make-up und Madonna, sondern wir lernen den 27-jährigen Entertainer mit 268.000 Instagram-Fans als einen klugen, kämpferischen und reflektierten Aktivisten kennen. Als stolzer femininer Schwuler, der immer wieder im Fernsehen auftaucht, ist Simonetti Zielscheibe sowohl von Homohassern als auch von Teilen der LGBTI-Community, die sich in die heteronormative Gesellschaft assimilieren wollen und sein so offensichtliches "Anderssein" als Provokation oder Klischee verurteilen. "Ein Mann, der seine feminine Seite eher umarmt, statt sie zu verstecken, ist für viele noch immer eine Riesen-Provokation", sagt er im Podcast. Der "Straight Acting"-Fraktion attestiert er "internalisierte Homophobie".Er habe "das Glück, mit einem riesigen Ego geboren zu sein", erklärt Riccardo Simonetti, warum er bereits als kleiner Junge so stark war, sich dem Hass und der Bewertung der anderen zu stellen, wenn er mit extravaganten Outfits in die Schule kam. Für das Recht auf "Anderssein", für die Sichtbarkeit femininer Schwuler kämpft er bis heute. 2018 erschien seine Autobiografie "Mein Recht zu funkeln", im vergangenen Jahr veröffentlichte er das Kinderbuch "Raffi und sein pinkes Tutu". Er wolle die queere Identifikationsfigur sein, die ihm als Junge, der am liebsten mit Barbiepuppen spielte, gefehlt habe, sagt er im Podcast. "Ich fand immer Leute toll, die nicht so ausgesehen haben wie alle anderen."Mit Johannes Kram analysiert Simonetti den Zusammenhang von Schwulenfeindlichkeit und Frauenhass, sie sprechen über Männlichkeitsbilder, Mobbing und Gewalt in der Schule, Karrieren im Internet, Casting-Absagen aufgrund des Schwulseins, Job-Angebote aus Abu Dhabi und die Auswirkungen, plötzlich im Rampenlicht zu stehen. "Es ist fucking schmerzhaft, immer die queere Nervensäge zu sein", sagt Simonetti am Ende des Podcasts – ein ehrliches Eingeständnis, das ihn nur noch sympathischer macht.Als queerer Promi habe er eine Vorbildfunktion, so der Entertainerer, er könne und wolle anderen Menschen. Übrigens nicht nur queeren Kids: Riccardo Simonetti berichtet vom Brief einer 95-jährigen Rentnerin, die ihn im Fernsehen gesehen und geschrieben habe, nun endlich zu ihrem Lesbischsein zu stehen. Dafür ist man doch gerne die "queere Nervensäge"! Micha Schulze - queer.de vom 8.8.2020

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  • 25.01.2021
    38 MB
    01:02:13
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    Aminata Touré und Tessa Ganserer über den Kampf gegen Rassismus und Queerfeindlichkeit

    Johannes Kram spricht mit den Landtagsabgeordneten Aminata Touré und Tessa Ganserer über Identitätspolitik bei den Grünen, Boris Palmer und eine konzertierte Aktion zum Grundgesetz-Artikel 3. In der zehnten Jubilläums-Folge von QUEERKRAM hat Johannes Kram erstmals zwei Politikerinnen zu Gast: Aminata Touré, Vizepräsidentin des Schleswig-Holsteinischen Landtags und damit ranghöchste schwarze Mandatsträgerin in Deutschland, sowie ihre Kollegin Tessa Ganserer aus Bayern, die nach ihrer Transition im Januar 2019 das einzige offen trans Mitglied in einem Landesparlament ist. Beide Grünen-Abgeordneten sind queerpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, haben sich aber persönlich zuvor noch nie getroffen.Die Folge beginnt mit einer heftigen Kritik an Altbundespräsident Joachim Gauck und dem rbb-Moderator Jörg Thadeusz, denen es in einer TV-Sendung offensichtlich schwerfiel, in Deutschland strukturellen Rassismus zu erkennen. "Zwischen Queerfeindlichkeit und Rassismus gibt es Parallelen", stellen Touré und Ganserer übereinstimmend fest und berichten im Podcast von ihren persönlichen Erfahrungen, von Hasskommentaren offener Rassist*innen und LGBTI-Feind*innen, aber auch von der "strukturellen Ignoranz" der Mehrheitsgesellschaft und den Grenzen der sogenannten Betroffenenpolitik.Auch der Umgang der Medien mit Rassismus und Transfeindlichkeit wird kritisiert. Aminate Touré erzählt, warum sie das Interview, das sie vor wenigen Wochen der "Zeit" gegeben hatte, zunächst nicht in den sozialen Netzwerken posten wollte. Tessa Ganserer berichtet von Journalist*innen, die sie immer vor dem Spiegel filmen wolle. Medien interessierten sich oft mehr für das Aussehen der beiden Politikerinnen als ihre politischen Positionen.Sollten deshalb vielleicht viel häufiger Heteras wie Aminata Touré für Queerpolitik zuständig sein? Hier sind die Talkenden gespalten. Über den grünen Oberbürgermeister von Tübingen rollen beide Podcast-Gäste gemeinsam die Augen und lassen sich auch von Johannes Krams Anmerkung, dass sich die Grünen für eine Koalition mit der nicht besonders LGBTI-freundlichen Union "aufhübschen", nicht aus der Fassung bringen. Menschenrechts- und Antidiskriminierungspolitik gehörten zum "Markenkern" der Grünen, versichern Touré und Ganserer.Bei der Reform des Grundgesetz-Artikels 3 müssen Anti-Rassismus- und die LGBTI-Bewegung jetzt zusammenarbeiten, fordern die beiden Politikerinnen. Die Ersetzung des Begriffs "Rasse" und die Aufnahme der "sexuellen Identität" habe das gleiche große Ziel und könne gemeinsam erreicht werden.

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  • 25.01.2021
    37 MB
    01:00:14
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    Annie Heger über Backstage auf deutschen CSDs und Christin-Sein in der Community

    Johannes Kram spricht mit Sängerin, Entertainerin und Aktivistin Annie Heger über ihre Erfahrungen als lesbische Christin und langjährige Moderatorin auf vielen deutschen CSD-Bühnen. Nur wenige Menschen kennen sich mit deutschen CSDs so gut aus wie Annie Heger. Seit vielen Jahren steht sie in jedem Sommer auf etlichen Pride-Bühnen der Republik, oft als Moderatorin, aber auch als Sängerin und Kabarettistin.Im neuen QUEERKRAM-Podcast mit Johannes Kram erzählt die in Ostfriesland geborene 37-Jährige, wie es dazu kam, welche Unterschiede sie in den einzelnen Städten erlebt, welcher ihr Liebling-CSD ist und wie sie mit der Coronakrise umgeht, die aktuell keine klassischen Pride-Festivals zulässt. Während Annie Heger im ersten Teil des Gesprächs viele Anekdoten beisteuert und einige ihrer Moderations-Tricks verrät, geht es im zweiten ernster zur Sache. Das Thema ist Queersein und Religion. "Meine größten Anfeindungen habe ich als Christin in der LGBT-Community erlebt, nicht andersrum", sagt die evangelische Künstlerin, die auch CSD-Gottesdienste organisiert, und berichtet von persönlichen Beschimpfungen und Beleidigungen.Wie sie darauf reagiere, will der Atheist Johannes Kram wissen. Sie habe ein "großes Verständnis entwickelt", könne die "großen Verletzungen, die Kirche angestellt hat, absolut nachvollziehen", zeigt sich Heger versöhnlich. Sie wünsche sich, dass sich beide Seiten "darauf besinnen, was man gemeinsam hat".queer.de vom 20. Juni 2020

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  • 25.01.2021
    38 MB
    01:01:43
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    Pierre Sanoussi-Bliss: "Das ist ein rassistisches Gespräch."

    Johannes Kram spricht mit dem schwulen Berliner Schauspieler und Regisseur Pierre Sanoussi-Bliss über Rassismus, seine nachhaltige Begegnung mit Angela Merkel und die Ursachen der fehlenden Vielfalt im deutschen Film.Das Dilemma bringt Pierre Sanoussi-Bliss auf den Punkt: "Das ist ein rassistisches Gespräch", knallt er seinem Gesprächspartner Johannes Kram an den Kopf. Weil der für seinem achten Podcast erstmals einen schwarzen Gast eingeladen hat, um mit ihm – nicht nur, aber auch – über Rassismus zu reden.Der Vorwurf ist berechtigt, das weiß auch Kram. Andererseits kann man Rassismus nur bekämpfen, wenn man die Strukturen erkennt und benennt. Und wenn man Menschen, die Opfer von Rassismus sind, eine Stimme gibt. So endete der Podcast auch nicht vorzeitig im Eklat, sondern entwickelte sich zu einem erhellenden. spannenden und konstruktiven Gespräch. Sanoussi-Bliss, der vor allem durch die Rolle des Orfeo in Doris Dörries Kinofilm "Keiner liebt mich" und als Kommissar Axel Richter in der ZDF-Serie "Der Alte" bekannt ist, zeigt offen seine Resignation. Für ihn ist die Bundesrepublik im Jahr 2020 noch genauso rassistisch wie er sie als Ostdeutscher nach der Wiedervereinigung erlebt hat. "In der Straßenbahn bleibt der Platz neben mir immer bis zuletzt frei."Seine "Überlebensstrategie" sei, sich nicht mehr groß darüber aufzuregen, erzählt er. Er sei einfach müde. Auch auf Solidaritätsaktionen wie schwarze Facebook-Profilbilder nach dem Mord an George Floyd kann er verzichten: "Dass mein Leben auch zählt, müssen mir Weiße nicht sagen."Als schwarzer Schauspieler, der vor der Coronakrise viel im Theater zu sehen war, seien ihm seit über fünf Jahren keine TV-Rollen mehr angeboten worden, berichtet er im Podcast und kritisiert die fehlende Vielfalt im deutschen Film und Fernsehen, wo ein "Traumschiff"-Kapitän automatisch weiß sein müsse. Damit sich etwas ändert, sollten Fördermittel und Filmpreise an die Einhaltung von Diversitätsvorgaben geknüpft werden, schlägt er vor. Und verrät für diesen Fall im Gespräch mit Johannes Kram auch seine persönliche Traumrolle.Dass Pierre Sanoussi-Bliss doch etwas bewirken kann, zeigte sich im März, als Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Bundespressekonferenz über schwarze Schauspieler sprach, die immer nur Kriminelle spielen dürften, aber niemals einen Bürgermeister. Genau darüber hatte sich Pierre Sanoussi-Bliss 14 Jahre zuvor beim ersten Integrationsgipfel in ihrer Anwesenheit beklagt.Im Podcast spricht er übrigens auch erstmals über seine zweite Begegnung mit der Kanzlerin, ein Jahr später beim Folgegipfel 2007. Den habe er wütend verlassen wollen, sei aber von Merkel zum Bleiben aufgefordert worden. - queer.de, 9. Juni 2020

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  • 25.01.2021
    37 MB
    01:01:36
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    Patrick Lindner über Heile Welt und harte Tage, Schlager auf CSDs und Hilfe für queere Kids

    Der Schlagerstar spricht über den Absturz nach dem Coming-out 1999, seine Funktion als "Bindeglied" zwischen Community und Konservativen, seine Stiftung für queere Jugendliche und ob er sich ein Duett mit Kerstin Ott vorstellen kann.Hape Kerkeling hatte ihm inständig abgeraten, Patrick Lindner tat es dennoch. 1999 outete er sich als schwul. In einer Zeit, in der Homosexualität in Deutschland als anstößig galt. Vor allem in der Volksmusik, wo Lindner damals einer der ganz Großen war. Es folgte der von Kerkeling prophezeite große Absturz…Im neuen QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram spricht der 59-Jährige offen über den gewaltigen Knick in seiner Karriere, den sich junge Queers heute kaum noch vorstellen können, den persönlichen Druck in den Jahren des Versteckspiels zuvor, aber auch wie er als Schlagersänger seinen verdienten Platz im deutschen Showbusiness zurückeroberte. Doch Johannes Kram hat nicht nur einen hochspannenden Zeitzeugen zu Gast, sondern auch einen Wanderer zwischen zwei Welten, der gerade deshalb viel zur Akzeptanz von Lesben und Schwulen in Deutschland beigetragen hat und dies immer noch tut. "Ich sehe mich als Bindeglied zwischen unserer homosexuellen Community und der ganz konservativen Hörerschaft", sagt Lindner im Podcast. Er fühle sich sehr wohl in der Rolle des Vermittlers.Doch die kann manchmal ziemlich einsam sein. Obwohl sich der Schlagerstar mit einer eigenen Stiftung für queere Kids engagiert und in München LGBTI-Schulaufklärung leistet, wünscht sich Johannes Kram mehr Unterstützung für ihn aus der Community. Ein Mann mit dieser Geschichte, mit diesem Engagement und mit diesem Talent muss doch beim CSD auftreten und gefeiert werden!Im Podcast, übrigens das erste lange Gespräch des Sängers mit einem queeren Medium, geht es außerdem u.a. um versteckte Botschaften in Liedern wie "Das Leben hat uns bunter gemacht", um die Frage, ob es eine "Homolobby" im Schlager gibt, und um seinen bevorstehenden 60. Geburtstag.Mein Wunsch wäre, dass Kerstin Ott diesen Podcast hört und Patricks Angebot zum Duett dankend annimmt. - Micha Schulze, queer.de 30. Mai 2020

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  • 25.01.2021
    35 MB
    57:04
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    Ines Pohl über Verschwörungstheorien und Interviews mit homophoben Staatschefs

    Der Einsatz für die Menschenrechte auch von LGBTI gehöre zu DNA des Senders, sei "unverhandelbar", sagt die langjährige TAZ- und Deutsche-Welle-Chefin Ines Pohl im Gespräch mit Johannes Kram. Die Diskriminierung und Verfolgung in anderen Ländern mache sie oft "wütend" und "total traurig", berichtet sie von Recherchereisen. "Aber am Ende komme ich zurück, und es bestärkt mich in dem Auftrag, den wir haben und den wir als Deutsche Welle international ausführen können."Als offen lesbische Senderchefin sorgt die Journalistin weltweit für Aufsehen, wird deshalb angegriffen, dient aber auch gerade jungen Queers als Vorbild. Nicht alle Erwartungen kann sie erfüllen. Offen spricht Pohl im Podcast über Schuldgefühle nach Interviews mit LGBTI-feindlichen Staatschefs wie Pakistans Ministerpräsident Imran Khan: "Ich fühle mich hinterher immer irgendwie dreckig, dass ich mich nicht hingestellt und gesagt habe: 'Und übrigens, ich bin lesbisch, und ich finde es schlimm und verachte dich dafür, dass du mich verachtest'."In knapp einer Stunde geht es in dem spannenden Gespräch auf hohem Niveau außerdem um den richtigen Umgang mit Verschwörungstheoretiker*innen und rechten Populist*innen, um Journalismus mit Haltung, um Pohl Überraschung für AfD-Fraktionschef Alexander Gauland, um den bevorstehenden US-Wahlkampf und warum sie Donald Trump bei einer Pressekonferenz im Rosengarten des Weißen Hauses keine Frage stellen würde.queer.de 18.05.2010

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  • 25.01.2021
    40 MB
    01:05:55
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    Georg Uecker über Häme in der Community und eine bizarre Medienjagd

    Georg Uecker spricht mit Johannes Kram so offen wie nie zuvor über die Reaktionen auf seine HIV-bedingte optische Veränderung, sein Leben als "schwuler Klassensprecher" der Nation und den "Nachholbedarf" bei queeren Figuren im TV.Stell dir vor, du stehst mit deinem Auto an der roten Ampel, als sich plötzlich ein Fotograf auf die Kühlerhaube wirft und dich durch die Windschutzscheibe knipst, um endlich ein Bild von dir und deinem eingefallenen Gesicht in einem Boulevardmedium veröffentlichen zu können. Georg Uecker musste sich das nicht vorstellen, er hat es so erlebt. Als Trauzeuge nach der Hochzeit seines besten Freundes Thomas Hermanns 2008 in Berlin."Es war eine sehr schwierige, eine schreckliche Zeit", berichtet Uecker im neuen QUEERKRAM-Podcast mit Johannes Kram über die Zeit mehrere Jahre nach der Doppeldiagnose Morbus-Hodgkin-Krebs und HIV. Er hatte den Krebs in einer qualvollen Therapie längst besiegt, das HI-Virus mit Medikamenten unter die Nachweisgrenze gezwungen – doch als Nebenwirkung seiner Gesundung zeigte sich der enorme Fettverlust im Gesicht, der sein Aussehen drastisch veränderte und für viel Getuschel, Häme und Spekulationen sorgteUecker spricht über seine erste Freude, ein schlankeres Gesicht zu haben, wie er die weitere Veränderung versuchte einfach auszublenden und schließlich den richtigen Zeitpunkt verpasste, sie selbstbestimmt in den Medien zu thematisieren. Bereits in seiner Autobiografie "Ich mach' dann mal weiter!" schrieb Georg Uecker 2018 über seine Erkrankung und die Reaktionen in der Öffentlichkeit. Im QUEERKRAM-Podcast öffnet er sich nun noch weiter. Das Interesse der Öffentlichkeit sei legitim, sagt der Schauspieler im Gespräch mit Johannes Kram, das sei nun mal der Preis der Karriere. Und doch berichtet er von schweren Verletzungen. Etwa als in einer Berliner Schwulenkneipe zwei Gäste so laut über ihn redeten, dass er es hören sollte: "Hast du den Uecker gesehen?", meinte der eine. "Ich dachte, der wäre schon tot", sagte der andere.Es gehe nicht um ihn persönlich, stellt Uecker klar. Er sei besorgt, wie die schwule Community teilweise miteinander umgehe. In der Szene habe er schon eine Häme erlebt "schlimmer als die böse Nachbarin aus dem Kaff, aus dem ihr geflohen sind". Richtige und wichtige Worte des "schwulen Klassensprechers" der Nation, mit der er seine Rolle bei der "Lindenstraße" zusammenfasst.Natürlich geht es im QUEERKRAM-Podcast auch über die kürzlich abgesetzte ARD-Soap, in der Uecker 34 Jahre lang den schwulen Arzt Carsten Flöter spielte. Mit Johannes Kram reflektiert er die wegweisende Bedeutung der ersten homosexuellen Figur im deutschen TV – und sieht auch 30 Jahre nach seinem legendären schwulen Fernsehkuss einen qualitativen "Nachholbedarf" an LGBTI-Charakteren.Georg Uecker, das zeigt sich nach dem fesselnden Gespräch, ist ein queerer Pionier, der in Deutschland noch viel zu wenig gewürdigt wurde. Was vielleicht auch am "mangelnden historischen Bewusstsein" der Community liegen könnte, das im gut einstündigen Podcast ebenfalls zum Thema wird.queer.de vom 8.5. 2020

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  • 25.01.2021
    39 MB
    01:04:49
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    Stephanie Kuhnen und Juliane Löffler über queeren Journalismus in der Krise und das kreative Potential von Corona

    Die queere Community wird nicht mehr dieselbe sein, wenn wir die Corona-Krise einmal überwunden haben. Nicht alle Zentren, Kneipen und Medien werden vermutlich überleben. Wir ahnen das Schlimmste und rücken näher zusammen, zeigen Solidarität. Ein "Umschalten in den Überlebensmodus" attestiert die Publizistin Stephanie Kuhnen der queeren Community.Kuhnen, ehemalige Chefredakteurin von "L-Mag", Herausgeberin des wichtigen Buches "Lesben raus!" und aktuelle Leiterin des Projekts "Lesbisch.Sichtbar.Berlin", ist zusammen mit der preisgekrönten Buzzfeed-Journalistin Juliane Löffler – der einzigen offiziellen LGBTI-Redakteurin eines nicht-queeren Mediums – zu Gast im vierten QUEERKRAM-Podcast von Johannes Kram.Zu dritt analysieren sie die schwerwiegenden Auswirkungen der Pandemie auf die LGBTI-Community, fragen sich anlässlich des dramatischen Hilferufs der "Siegessäule", warum es queerer Journalismus in Deutschland so schwer hat, diskutieren über den Sinn digitaler CSDs und finden trotz düsterer Prognosen das kreative Potenzial, das in der aktuellen Krise steckt. Natürlich geht es auch um den (Berliner) Dauerstreit zwischen Lesben und Schwulen, und nebenbei erfahren wir noch etwas über Schutzmasken aus einem Kleid von Drag-Ikone Margot Schlönzke, coole Neuköllner Graffitis und das Wohnzimmer von Melissa Etheridge…Queer.de vom 26.4.2020

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  • 25.01.2021
    35 MB
    57:54
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    Wie Ralf König zusammen mit seinen Comic-Helden Konrad und Paul die Corona-Krise übersteht

    "Im QUEERKRAM-Podcast spricht Deutschlands schwuler Comic-Papst über das Corona-Comeback von Konrad und Paul, "absurde" Kritik aus der queeren Community und warum er weiterhin auf seinen Bauch hört. Dass wir die Zeit in der Heimquarantäne einigermaßen überstehen, liegt auch an Ralf König. Seit Mitte März veröffentlicht Deutschlands schwuler Comic-Papst auf seiner Facebookseite täglich eine neue Geschichte, was seine beiden Kult-Knollennasen Konrad und Paul in der Corana-Krise so alles erleben. Die gesammelten Abenteuer, mal sehr vertraut und oft urkomisch, sollen nun bei Rowohlt als Buch erscheinen.Wie die kurzen Corona-Comics entstehen und warum ihm das Zeichnen gerade jetzt so viel Spaß macht, erzählt Ralf König im dritten QUEERKRAM-Podcast von Nollendorfblogger Johannes Kram. Die große Resonanz und das einhellige Lob für die täglichen Strips spielen dabei eine nicht unwesentliche Rolle. (...)Den "absurden" Empfindlichkeiten in Teilen der queeren Community habe er ursprünglich sein nächstes Buch widmen wollen, verrät König im Gespräch, dies sei aber auf Eis gelegt. Corona dürfte den nächsten Shitstorm vorerst verhindert haben…In dem extrem kurzweiligen Podcast spricht Ralf König außerdem u.a. über Klobürsten im Geschirrspüler, warum er Bully Herbigs erfolgreichen Kinofilm "(T)Raumschiff Surprise – Periode 1" für einen unangenehmen und schädlichen "Hightech-Detlev-Witz in anderthalb Stunde Länge" hält und dass er gerne mal als Theaterregisseur arbeiten möchte. Reinhören!"queer.de vom 11.4.2020

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  • 25.01.2021
    37 MB
    01:00:21
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    Wie das Transsexuellengesetz Bundeswehr-Kommandeurin Anastasia Biefang zum „fremdbestimmtesten Gang“ ihres Lebens zwang

    Anastasia Biefang ist die erste transsexuelle Kommandeurin in der Bundeswehr, im letzten Jahr war der Doku-Film "Ich bin Anastasia" im Kino zu sehen, der sie durch ihre Transition begleitet, sie bei der Arbeit aber auch sehr privat zeigt. Im Gespräch mit Johannes Kram berichtet sie über ihr Coming-out bei der Truppe und den Kulturwandel, den in den letzten Jahren in der Bundeswehr im Bereich sexuelle Identität und Orientierung gegeben hat, spricht Schikanen das Transsexuellengesetzes und warum dieses endlich auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. Außerdem: Warum sich die Medien so schwertun, wenn sie über trans* Themen berichten, warum ihr Vorgesetzter bei ihrem Coming-out alles richtig gemacht hat und ob man mit zwei Metern Abstand noch marschieren kann. Dies ist die erste Folge, die durch die Corona-Krise nicht im Studio aufgenommen werden konnte.

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  • 25.01.2021
    37 MB
    59:08
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    Falk Richter und Jonas Dassler über ungeoutete Schauspieler, „toxische Männlichkeit“ und eine "ziemlich kaputte Branche"

    Die Gäste der ersten QUEERKRAM-Folge sind der Schauspieler Jonas Dassler und den Dramatiker und Theaterregisseur Falk Richter. Der 1996 geborene Dassler, der auf der Berlinale als "European Shooting Star" ausgezeichnet wurde, steht derzeit in Richters Stück "In My Room" im Maxim Gorki Theater auf der Bühne – eine von der Kritik viel gelobte Auseinandersetzung mit toxischer Männlichkeit. Im vergangenen Jahr sorgte er mit seiner Darstellung des Serienmörders Fritz Honka in "Der Goldene Handschuh" für Aufsehen. Falk Richter wiederum durfte 2019 für sein Gesamtwerk, zu dem auch das wichtige schwule Stück "Small Town Boy" gehört, den Special Teddy Award mit nach Hause nehmen. Besondere mediale Aufmerksamkeit erlangte der 50-Jährige vor fünf Jahren wegen seines Theaterstücks "Fear", in dem er auch zeitgenössische Homo-Hasser benannte. Diese fühlten sich durch das Stück diskriminiert; eine Klage von "Demo für alle"-Organisatorin Hedwig von Beverfoerde scheiterte jedoch vor dem Berliner Landgericht Daraufhin zog auch die AfD-Politikerin Beatrix von Storch ihre Klage zurück.

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