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SchönerDenken

Der erste Eindruck - direkt nach dem Kino - in etwa 12 Minuten und spoilerfrei, versprochen. Das ist unser Kerngeschäft. Ansonsten echte Liebe für japanische Filme, eine Schwäche für Science-Fiction und ungebrochene Entdeckungslust für bekannte und unbekannte Klassiker.

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  • 21.11.2021
    123 MB
    01:25:16
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    Folge 1129: TAO JIE – EIN EINFACHES LEBEN: Herbst eines Lebens, Herbst einer Stadt, feat. Lucas Barwenczik

    Regisseurinnen und ihre Meisterwerke werden nur sehr langsam sichtbarer, darum hat Lucas für diese Episode Anne Huis A SIMPLE LIFE (deutsch: TAO JIE – EIN EINFACHES LEBEN) ausgewählt. Anne Hui ist eine der wenigen großen Hongkong-Regisseurinnen, die bereits mit ihrem Debütfilm BOAT PEOPLE Aufsehen erregte. In SIMPLE LIFE werden wir in einem ruhigen und behutsam erzählten Film Zeuge einer gegenseitigen Loyalität und Solidarität: Ah Tao war sechzig Jahre lang Hauswirtschafterin und Kindermädchen der Familie Leung. In Hongkong geblieben ist von der Familie nur ihr Lieblings“kind“ Roger. Als Ah Tao (dargestellt von Deanie Ip) einen Schlaganfall bekommt, geht sie in den Ruhestand. Roger, ein Filmproduzent, sorgt für sie. Die beiden, die ein Verhältnis wie Mutter und Sohn haben, erhalten noch Zeit, in die Vergangenheit zu blicken, sich zu öffnen und ein Stück weit den Klassenunterschied aufzulösen. Aber als Ah Tao einen zweiten Schlaganfall hat, läuft ihre Zeit ab. Im Podcast werfen Lucas und Thomas auch einen Blick auf den dritten Hauptdarsteller: die alternde Stadt Hongkong, realistisch ins Bild gesetzt, verstaubt und ohne Neonlicht, sich melancholisch bewusst, dass der eigene Zenit weit überschritten ist. Roger (dargestellt von Andy Lau!) wird bezeichnenderweise mit einem Klimatechniker und einem Taxifahrer verwechselt – er arbeitet für eine Glitzerwelt, aber sie ist nicht Teil von ihm. Das Publikum lernt Ah Taos Mitbewohner im Altersheim kennen, sieht wie die hyperkapitalistische Konsumwelt mit TV-Kameras ins Altersheim eindringt und wieder verschwindet. Lucas und Thomas diskutieren die vielen wunderbaren Details, die Menschen, Gefühle und eine ganze Stadt für die Zuschauer:innen öffnet. Ein einfaches Leben. Ein sehr großer Film.

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  • 13.11.2021
    16 MB
    16:50
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    Folge 1128: ETERNALS - Die Götter sind unter uns

    Eine beeindruckende Karriere: Bereits Chloe Zhaos zweiter Film ( THE RIDER ) ist ein Meisterwerk, mit dem dritten Film (NOMADLAND) ist sie für vier Oscars nominiert und holt die Oscars für den besten Film und die beste Regie. Mit dem vierten Film setzt sie einen Multimillionendollarfilm für das vielleicht erfolgreichste Filmfranchise aller Zeiten um. Aber ist ETERNALS ebenfalls ein großartiger Film? Wir alle mussten uns erst einmal mit dem Marvel-untypischen, langsamen Erzählen synchronisieren – es dauert etwas, bis man im Film ankommt. Die Bilder, die Landschaften, die langen, schönen Einstellungen, da zeigt sich Chloe Zhaos Handschrift. Vielleicht auch im ausgezeichneten und sehr diversen Cast, für ein ungewöhnliches Heldenensemble, das sowohl einen homosexuellen Superhelden als auch eine taubstumme Superheldin umfasst – und davon mit angenehmer Selbstverständlichkeit erzählt. Im Mittelpunkt steht Sersi (charismatisch: Gemma Chan), nicht die mächtigste Heldin, aber mit ihr können die Zuschauer am intensivsten mitfühlen. Sie hat ihr Herz für die Menschen geöffnet – und für ihren Eternal-Kollegen Iskari (Richard Madden). Die Eternals sind seit 7000 Jahren auf der Erde und wie ihre namensähnlichen Götter haben sie einerseits menschliche Gefühle und Schwächen und sind andererseits frei vom Empfinden der langen Zeit, die sie leben (was bei Peter Punktabzug gibt). Geschickt wurden sie vom gottgleichen sechsäugigen (!) Celestial Arishem – alles bewegt sich also auf gaanz großer Bühne. ETERNALS ist kein ganz großer Film, viele werden sich sogar langweilen. Aber Zhao gelingt es, den marveltypischen Humor in eine Göttersage zu integrieren, in der es um menschliche Schwächen wie Eifersucht und Erwachsenwerden geht. Dabei werden harte moralische Fragen verhandelt: Welche Verantwortung trage ich mit meiner Macht? Lassen sich Leben gegeneinander aufwiegen? Gleichzeitig ist es auf einer anderen Ebene einfach Märchenonkelfantasy mit schmissiger Musik, eine merkwürdige aber nicht misslungene Mischung. Im Podcast direkt nach dem Kino am Mikrofon: Johanna, Gabriele, Peter, Tom und Thomas. Kleine Übersicht der Namensbezüge Ajak = der Name erinnert an den tragischen griechischen Helden Ajax aus dem Drama von Sophokles.Gilgamesh = Gilgamesch ist die wichtigste sumerische Göttergestalt, er tötet wie sein Namensvetter einen riesigen Stier.Ikaris = Ikarus , berühmte griechische Sagengestalt: Ikarus flog mit Flügeln, die mit Wachs zusammengehalten wurden. Mit Ikaris verbindet ihn die Fähigkeit des Fliegens.Makkari = bezieht sich auf Makaria , die Tochter des griechischen Gottes der Unterwelt, Hades.Phastos = der Technik-Eternal Phastos ist verknüpft mit dem olympischen Gott der Schmiedekunst, Hephaistos .Sersi = Die Zauberin Kirke aus der griechischen Mythologie. Mit ihr verbindet sie Fähigkeit Dinge zu verwandeln.Thena = Die kämpferische Eternal Thena entspricht der griechischen Göttin der Kriegskunst, Athene .Tiamut = Der neue Celestial verweist auf die babylonische Meeresgöttin Tiamat , aus deren Leiche Himmel und Erde geschaffen wurde.

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  • 13.11.2021
    44 MB
    46:08
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    Folge 1127: THE RIDER: Wirklichkeit, Einsamkeit, Unendlichkeit

    8 Sekunden auf dem Rücken eines Pferdes zu bleiben, das ist mit das Gefährlichste, was man überhaupt tun kann. Brady Blackburn ist darin besonders gut, aber nach einem schweren Sturz beim Rodeo darf er nie wieder reiten. Dabei macht sein Leben mit Pferden, sein Verständnis der Tiere seine Identität aus. Brady, Nachkomme von Lakota-Sioux-Indianern, gerät in eine tiefe Einsamkeit. Das alles vor der atemberaubend eingefangenen Kulisse der Prärie, in der Menschen immer wieder so klein wirken. Chloé Zhao lässt uns ganz nah heran an Brady, wir fühlen jeden Augenblick mit, obwohl unsere Lebenswirklichkeit so anders ist. Das ist es, was Kino ausmacht, warum wir Kino lieben, erklärt Johanna im Podcast und zitiert Roger Eberts Erkenntnis vom Kino als Empathiemaschine. Nichts in diesem Film ist größer oder kleiner als die Wirklichkeit: die Härte des Lebens, die zerbrochenen Träume, die Freundschaft, die alle Schicksalsschläge überwindet und die Unendlichkeit und Poesie der Prärie. Und dann der Moment, in dem man als Zuschauer:in erkennt, dass Brady, dass alle sich sebst spielen. Zhao hat damit ein eigenes Genre erschaffen: den dokumentarischen Spielfilm. Meisterhaft. Ein Meilenstein des Kinos. In der Episode sprechen Johanna und Thomas darüber, warum THE RIDER kein Neo-Western ist, über die Ikonographie des Wilden Westens, über die Frage, wohin der Horizont gehört, über Gräber, über die Frage, was ein Cowboy ohne Pferd ist, über Bradys Kunst, Pferde an Menschen zu gewöhnen und Zhaos cineastische Zaubermaschine … Zum ersten Mal versagen beim Nacherzählen der berührendsten Szenen Johanna und Thomas die Stimmen und irgendwie hatten sie da auch was im Auge … THE RIDER wurde in Cannes mit dem Art Cinema Award sowie mit dem Werner Herzog Filmpreis ausgezeichnet. Chloé Zhao erhielt für den nachfolgenden Film NOMADLAND Oscars für Beste Regie und Bester Film. Wir haben den Podcast Ende März vor den Oscars aufgenommen.

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  • 13.11.2021
    16 MB
    16:48
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    Folge 1126: TITANE: Der Feuerwehrmann, sein Sohn, die Wahrheit und die Serienkillerin

    Julia Ducournau ist eine furchtlose Filmemacherin, soviel ist sicher. Heldin Alexia lebt wie wir es auf der Leinwand eher von Männern gewohnt ist: Exzessive Beziehung zu Autos, Leben nach dem Lustprinzip inklusive Morden in Serie. Die Geschichte geht einen „fantastischen“ Schritt weiter: Alexia hat Sex mit einem Muscle-Car, wird schwanger, Motorenöl läuft aus ihrer Brust. Abrupt endet dieser an Cronenberg erinnernde Epilog voller Action, Nacktheit und expliziten Gewaltspitzen. Aus Alexia wird Adrien – auf der Flucht vor der Polizei wechselt sie nicht nur die Identität sondern nach außen hin das Geschlecht: Sie bindet sich Busen und Schwangerschaftsbauch zurück, schneidet sich die Haare ab, bricht sich die Nase, um einem Jungen ähnlich zu sehen, der vor 15 Jahren verschwunden ist. Der Vater des verschwundenen Jungen nimmt Adrien auf und an es beginnt eine aufgeladene Beziehung von zwei Menschen, die unter Druck stehen. Eigentlich zwei Filme, wie Frankensteins Kopf mit dem Fantasy-Element der Autoschwangerschaft grob an den Körper genäht – aber mit zwei herausragenden Schauspieler:innen: Agathe Rousselle und Vincent Lindon. Ein anstrengender Film, wechselhaft, kraftvoll, chaotisch, voller Ideen und ohne echte Verbindung zwischen seinen Teilen. Im Podcast direkt nach dem Kino sprechen Johanna, Bettina und Thomas darüber, ob der Preis in Cannes gerechtfertigt ist, über Gewalt und Identität, Mut und Ordnung. Thomas freut sich auf jeden Fall auf die nächsten Filme von Julia Ducournau.

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  • 13.11.2021
    38 MB
    40:29
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    Folge 1125: REPLAY! 10 Filme im November – NipponConnectionOnline 2021: Offizieller Festivalpodcast Nr. 9

    Dieser Podcast begleitet das Festival, das vom 1. bis zum 30. November 2021 noch einmal 10 der Festivalfilme on demand zeigt. Gastgeber im Podcast sind zwei langjährige Filmpodcaster und NipponConnectionFans: Alexander von den Abspannguckern und Thomas von SchönerDenken. Unter dem Motto „Nippon Connection On Demand 2021: Replay!“ werden zehn Highlights des 21. Nippon Connection Filmfestivals vom 1. bis 30. November 2021 erneut online gezeigt. Mit Florian Höhr, Leiter des Filmprogramms, sprechen wir über die zehn ausgewählten Filme und erklären, wie man sich diese Filmperlen on demand anschauen kann. Dieser Filmherbst ist auf jeden Fall japanisch. Und das ist das Programm: Die Spielfilme Beyond The Infinite Two Minutes (Droste no hate de bokura) von Junta Yamaguchi, Japan 2020 (Hinweis: Dieser Film ist erst ab dem 3. November 2021 verfügbar.) Cafébesitzer Kato entdeckt, dass ihm der Monitor in seiner Wohnung zeigt, was zwei Minuten in der Zukunft passiert. Die geniale Low-Budget-Zeitreise-Komödie wurde mit dem Nippon Visions Audience Award 2021 ausgezeichnet. BOLT von Kaizo Hayashi, Japan 2019 BOLT basiert auf der Erdbeben-, Tsunami- und Nuklearkatastrophe vom März 2011. In einer düsteren Bildsprache erzählt er von den körperlichen und seelischen Traumata einer Tragödie, die Japan noch immer lähmt. Company Retreat (Aru shokuba) von Atsushi Funahashi, Japan 2020 – Ein Team von Hotelangestellten versammelt sich an einem Wochenende. In konzentrierter Atmosphäre soll ein betriebsinternen Fall von sexueller Belästigung aufgearbeitet werden. The Day Of Destruction (Hakai no hi) von Toshiaki Toyoda, Japan 2020 (Mit Vorfilm: Wolf’s Calling von Toshiaki TOYODA) Kurz vor den Olympischen Spielen greift eine mysteriöse Epidemie in Tokio um sich. Es kursieren Gerüchte um ein Monster, das in einer Mine gefunden wurde. Ein Film wie ein ungestümes Punk-Gedicht, mit einem ohrenbetäubenden Soundtrack. Extraneous Matter-Complete Edition von Kenichi Ugana, Japan 2021 – Mysteriöse, oktopusartige Aliens erscheinen aus heiterem Himmel in den Wohnungen von Menschen und lösen bei ihnen gesteigertes Lustempfinden aus. Schwarzweiß-Hochglanz-Trash vom Feinsten. I’m Really Good von Hirobumi Watanabe, Japan 2020 – Ein Tag im Leben der Grundschülerin Riko. Im Alltäglichen entspinnt sich eine Tragikomödie, die neben zuckersüßen und komischen Momenten bald hintergründige Stimmen einer düsteren Zukunft anklingen lässt. It’s A Summer Film! (Sama firumu ni notte) von Soshi Matsumoto, Japan 2020 – Während die Schülerin Barefoot eine Leidenschaft für Samuraifilme hegt, dreht der Schul-Filmclub lieber seichte Romanzen. Kurzerhand beginnt sie ihr eigenes Samurai-Epos zu planen. Eine urkomische Feelgood-Komödie! Die Dokumentarfilme Ainu Neno An Ainu von Laura Liverani und Neo Sora, Japan 2019 – Ein Dokumentarfilm über die indigene Bevölkerung der Ainu aus dem Norden Japans. In wunderschönen Bildern porträtiert der Film Menschen aus engen Dorfgemeinschaften, die sich tief mit ihrer Kultur und Tradition verbunden fühlen. SUMODO ~The Successors Of Samurai~ (Sumodo ~Samurai o tsugu monotachi~) von Eiji Sakata, Japan 2020 – Regisseur Eiji Sakata begleitet die Ringkämpfer von zwei Sumo-Schulen sechs Monate lang bei ihrem harten Training und täglichen Leben mit der Kamera. Ushiku von Thomas Ash, Japan 2021 – Thomas Ash interviewte im sogenannten „Immigration Center“ von Ushiku mit versteckter Kamera Insassen, die sich in einer Extremsituation befanden. Mit seinem Film klagt er die kompromisslose japanische Flüchtlingspolitik an. Ushiku wurde mit dem Publikumspreis Nippon Docs Award 2021 prämiert.

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  • 13.11.2021
    16 MB
    17:18
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    Folge 1124: JAMES BOND – NO TIME TO DIE: Welche Art Held hätten’s denn gerne?

    Achtung SPOILER! Die Erwartungen an James-Bond-Filme sind mittlerweile absolut unerfüllbar. Ein moderner Held soll er sein, aber lässig wie in den 1960ern. Glaubwürdig sollen seine neuen Abenteuer sein, aber die Actionsequenzen sollen so „typisch Bond“ die Grenzen der Physik augenzwinkernd verschieben. Mit jeder hübschen Frau sofort ins Bett oder doch mittlerweile monogam? Craigs Bond trauert immer noch um Vesper Lynd und für ihn ist ein Nein ein Nein, Gottseidank. Die Welt, aus der die Figur James Bond und ihr ursprünglicher Wertekanon stammen, ist längst Geschichte. Das Fossil Bond hat es aber bis in die Gegenwart geschafft und ist dazu verdammt, sich neuen Wirklichkeiten anzupassen. Während also die einen feiern, dass Bond sich verändert, haben andere Angst, dass Bond einen veganen Martini bestellen könnte. Der 25. Film der Reihe und die Abschiedsvorstellung von Daniel Craig ist geprägt von einer Liebesgeschichte. Seine Lebensgefährtin Madeleine musste nicht wie Vesper und die anderen Bond-Geliebten zuvor sterben. Bond könnte ein Leben jenseits der Agentenwelt haben, sogar eine Familie. Das gab es bei Bond so noch nie. Fukunaga inszeniert um diesen romantischen roten Faden herum einen Action-haltigen, episodischen Thriller mit den klassischen Bond-Zutaten: Beeindruckende Schauplätze, schöne Frauen, Kämpfe, das Ensemble der Freunde (M, Q, Moneypenny, Felix Leiter) und das Ensemble der Feinde (der verrückte Wissenschaftler, der Erzbösewicht, der die Welt vernichten will, der Bodyguard des Bösewichts). Bei Fukunaga ist aber alles etwas subtiler: die Action ist beeindruckend aber real, die Anspielungen sind subtil, der Humor trocken. Besonders die Episode auf Kuba ist wirklich großes Kino. James Bond überwindet in diesem Film seine eigene Heldenrolle: Als 007 wurde er von Agentin Nomi (sehr stark: Lashana Lynch) bereits vollwertig ersetzt, nicht einmal der MI6-Pförtner erkennt ihn oder seinen Namen. Aber er hat etwas gefunden, für das es sich zu leben lohnt und für das es sich zu sterben lohnt – und es ist mehr als Königin und Vaterland. Zu James Bond gehörte immer, dass er am Ende überlebte und mit ihm das Gute siegte, inklusive klassische Schlusseinstellung mit Bondgirl im Arm und kühlem Martini in der Hand. Alles vorbei: Aus dem zynischen, beziehungsunfähigen Killer im Smoking wird nach einem halben Jahrhundert ein Held, der sich für Menschen opfert, die er liebt. Nicht nur für Daniel Craig ein besonderer und ein großer Abgang – hier hätte man auch die Filmreihe beenden können: JAMES BOND WILL NOT RETURN … Aber es wird weiter gehen mit James Bond, allein schon weil es ein großartiges Geschäft ist. Mit dem/der nächsten James Bond-Darsteller:in wird sich das Fossil auf jeden Fall weiter entwickeln. Im Podcast direkt nach dem Film prallen die Meinungen wie Kurzstreckenraketen aufeinander: Während die hoffnungslosen Romantiker Tom und Thomas den Film lieben und Harald zufrieden ist, sprechen Heidi und Peter aus unterschiedlichen Gründen vernichtende Urteile über diesen Bond. Am Mikrofon direkt nach dem Kino – meinungsstark und diesmal unversöhnlich: Heidi, Harald, Peter, Tom und Thomas.

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  • 13.11.2021
    19 MB
    20:01
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    Folge 1123: DUNE: Planet ohne Pay-Off

    Fast jeder ist schon für sich nach dem Film geteilter Meinung. Villeneuves Bilder haben alle beeindruckt, aber können wir mit der präsentierten Geschichte etwas anfangen? Es ist ein Ankündigungsfilm, der stark auf einen zweiten, kommenden Film verweist. Im Grunde ein zweieinhalbstündiger Trailer. Viel passiert, aber geschieht auch etwas? Es wird verraten und gekämpft, gestorben und überlebt. Der Film hat gewissermaßen ein Problem in sich selbst vorzukommen, erklärt Hendrik. Es bleibt eine Distanz zu den Charakteren und eine Distanz zum feudalistischen Setting, dazu ein schwacher Score von Hans Zimmer (über den sich Thomas aufregt). Das ficht Tom alles nicht an – seine Bereitschaft sich überwältigen zu lassen, hat sich für ihn ausgezahlt. Selbst das Skizzenhafte der Charaktere sieht er als Gewinn. Ob also nach dem Film nur Sand zwischen den Zähnen knirscht oder doch Spice, das muss jeder für sich selbst entscheiden. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Johanna, Harald, Tom und Thomas.

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  • 13.11.2021
    52 MB
    54:56
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    Folge 1122: BLUTIGER FREITAG „Wir sprechen nur mit maßgeblichen Bonzen!“ feat. Lucas Barwenczik

    „Wir sprechen nur mit maßgeblichen Bonzen!“ erklärt Mörder Heinz Klett und getreu diesem Motto redet Kinomensch Lucas Barwenczik folgerichtig im CrossCast mit Thomas von SchönerDenken – über Rolf Olsens Action-Exploitation BLUTIGER FREITAG von 1972 in der mittlerweile auf Bluray verfügbaren 4K-Fassung. Während Thomas noch Probleme hat den richtigen Einflugswinkel zu finden, ist Lucas schon vom unverwundbaren Überbösewicht Klett fasziniert, der fast Schwarzenegger und Stallone vorweg nimmt. Der Film ist Exploitation und zeigt Exploitation – nämlich in den Arbeitsverhältnissen, wenn die Ausbeutung der Arbeit am Beispiel Heidis und Luigis gezeigt werden, bis einem die Halsschlagadern schwellen. Ein klarer Blick in die klassistische Kälte der BRD der frühen Siebziger: Know your place – Bleib, wo Du hingehörst – Heidi wird zusammengestaucht, „damit sie wieder in die Tüte passt“. Dazu passen immer wieder Anspielungen auf die RAF, Revolutionsattitude hat sich auf jeden Fall auch Heinz Klett zugelegt: Polizisten sind keine Heilsarmisten und wenn einer draufgeht, dann war das Berufsrisiko. Da klingt Heinz Klett gewiß nicht zufällig wie Andreas Baader. Der Tod eines Polizisten (die Handgranate!) führt dann auch zur beeindruckendsten und billig inszenierten Gore-Szene. Vorbild für den Bankraub, den Heinz Klett mit seinem Kumpanen durchführt, war ein echter Bankraub in München 1971, bei dem alle Täter zu Tode kamen. Beeindruckend wird die trostlose Stimmung der BRD zwischen Studentenbewegung und Deutschem Herbst gezeigt – Heinz Klett wird vor diesem Hintergrund von Lucas als Symbol des Ausbruchs und als gesellschaftliche Gegenfigur interpretiert – mit allen kriminellen und brutalen Aspekten. Die Menschen sind fast ausnahmslos Täter oder Opfer des deutschen Faschismus und seiner Verbrechen – 1971 liegt bei einigen der Geldbeutel schon fast in den 1980ern aber die Werte und Normen hängen noch im Dritten Reich fest. Thomas kämpft beim Hauptdarsteller Raimund Harmstorf noch mit Kindheitserinnerungen: Harmstorf hatte als Seewolf kartoffelzerquetschend Alpträume verursacht – auch mit einer dunklen, bedrohlichen Stimme, die gar nicht Raimund Harmstorfs eigene Stimme war. Harmstorf beging viele Jahre später Selbstmord – viele geben der BILD-Zeitung daran die Schuld. Auch andere Schauspieler sind früh gestorben, besonders tragisch bei Heidi-Darstellerin Christine Böhm, die wenige Jahre nach dem Film bei einem Unfall starb. Lucas und Thomas diskutieren, mit welchen Erwartungen die Zuschauer:innen einem B-Film gerecht werden – der Vergleich mit BULLITT oder FRENCH CONNECTION ist auf jeden Fall nicht fair, spätestens wenn das Rennen zwischen einem VW-Käfer und einem Ford Taunus unfreiwillig komisch wie ein Rollatorenrennen wirkt. Am Ende steht die ebenso irritierende wie brutale Vergewaltigungsszene im Mittelpunkt. Sie wird mit expliziten Genitaldarstellungen und surreal wirkenden Fleischereibildern gegengeschnitten. Besonders vor dem Hintergrund dieser schwer zu ertragenden Szene fragt sich Thomas: Wie kann Heinz Klett heute trotzdem als Kultfigur gefeiert werden? Obwohl er von Regisseur Olsen als das gezeigt wird, was er ist: Inbegriff der toxischen Maskulinität. Aber das ist ein Problem der Rezeption, nicht des Films, sind sich Lucas und Thomas am Ende dieser Episode einig.

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  • 13.11.2021
    14 MB
    14:44
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    Folge 1121: SHANG-CHI AND THE LEGEND OF THE TEN RINGS: Der erste chinesische Marvel-Held

    Mit dem 25. Film betritt Marvel Asien: SHANG-CHI spielt weitgehend in China und eine Riege beeindruckender chinesischer oder chinesisch-stämmiger Schauspieler:innen übernehmen die Hauptrollen, unter anderem Michelle Yeoh, Simu Liu, Benedict Wong und Awkwafina. Nach einem sehr gelungenen und launigen Auftakt, inklusive der atemberaubendsten Bus-Action-Szene seit SPEED, muss sich der Held Shang-Chi seinem übermächtigen Vater stellen – sehr charismatisch dargestellt von Schauspiellegende Tony Leung. Auch in der synchronisierten Fassung wird netterweise sehr viel Mandarin gesprochen (und untertitelt). Ansonsten folgt der Film dem sehr vertrauten Marvel-Rezept, bietet sich steigernde Action mit diesmal besonders liebevoll choreografierten Kampfsequenzen und achtet auf funktionierenden comic relief, den vor allem Awkwafina und Ben Kingsley garantieren. Simu Liu bleibt etwas blass (findet Thomas), aber sonst lässt sich nicht viel kritisieren an diesem sehr kurzweiligen Superheldenfilm. Gut gelaunt am Mikrofon direkt nach dem Kino: Johanna, Tom und Thomas.

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  • 13.11.2021
    13 MB
    14:11
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    Folge 1120: REMINISCENCE: Knapp daneben ist auch vorbei

    Alles ist vom Feinsten: Die Schauspieler:innen, der Look, das Licht, der Schnitt. Und doch bleibt REMINISCENCE ein Möchtegern-Near-future-Film-noir, ein Melodram ohne Gespür, wo die feine Grenze ist zum belanglosen Kitsch. Lisa Joys Debutfilm zeigt perfektes Handwerk, aber all das nutzt nichts, wenn die Zuschauer:innen keinen Bezug zu den Charakteren bekommen und ein bedeutungsschwangeres Voice-Over Kalendersprüche über den Film kleistert. Formulierungen wie „Erinnerung sind die Perlen an der Halskette der Zeit“. Wer schreibt sowas? Und wichtiger noch: Wer lässt das im Drehbuch stehen? Unser Tipp: Ton aus, den Zauber von Rebecca Ferguson genießen vor dem honigfarbenen Sonnenuntergang in Miami, das in der Klimakatastrophe pittoresk abgesoffen ist. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Tom und Thomas. Wer ein ähnliches Thema aufregender, innovativer und interessanter sehen möchte, dem empfehlen wir STRANGE DAYS von Kathryn Bigelow von 1995 und unsere Podcastepisode dazu mit Gast Lucas Barwenczik.

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  • 13.11.2021
    11 MB
    12:23
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    Folge 1119: FREE GUY: „Don’t Have a Good Day. Have a Great Day!“

    Otto Normalverbraucher hieß er in Deutschland in den 1950ern. Im Computerspiel „Free City“ ist er der „Blue Shirt Guy“ (Ryan Reynolds), ein NPC (Non Player Character), der plötzlich aktiv wird und seine ganz eigenen Ziele verfolgt – zum Beispiel die Frau zu finden, in die er sich verliebt hat. Hinter ihr steckt übrigens die Hackerin Molotov Girl (Jodie Comer), die einem großen Betrug auf der Spur ist. Aber wer steckt hinter dem „Blue Shirt Guy“? Oder steckt überhaupt jemand hinter diesem liebenswerten naiven Bankangestellten, der vor lauter Liebe ganz Free City umkrempelt? Sehr zum Missfallen des charismatischen Game-Tycoon Antwan (Taika Waititi). FREE GUY ist eine harmlose, ziemlich gute getimete Action-SF-Komödie, mit einem sehr passend besetzten Ryan Reynolds. Der Unterhaltungswert ist dank vieler guter Pointen hoch, es wird ein bisschen Relevanz eingestreut und der sehr gute Cast darf sich austoben. Großartig ist Taika Waititi als hipper Bösewicht, Channing Tatum in einer Nebenrolle als Spielfigur eines Nerds und das wunderbare Hackerpärchen Jodie Comer und Joe Keery. Fazit: Sehr bunt, viel Bummbumm, begrenzter Anspruch und sehr viel Spaß – auch für Zuschauer:innen, die keine Computerspiele kennen. Am Mikrofon direkt nach dem Kino: Johanna, Tom und Thomas.

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  • 13.11.2021
    43 MB
    45:28
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    Folge 1118: BEYOND THE INFINITE TWO MINUTES (Nippon Connection 2021) feat. Kompendium des Unbehagens, Untersammlung, Altstadtkino und Der Podcast

    Nach der #OpenPodcast-Folge direkt nach dem Film nun endlich auch noch ein ausführliches, entspanntes, zum Teil albernes Gespräch mit Michael von Kompendium des Unbehagens, Johannes von der Untersammlung, Daniel vom Altstadtkino und Max von Der Podcast. Ein Monitor, der zwei Minuten in die Zukunft schaut, das ist die erst einmal unspektakulär wirkende SF-Idee von BEYOND THE INFINITE TWO MINUTES von Junta Yamaguchi. Die Theatertruppe um Yamaguchi zaubert aus dem kleinen Budget einen großen Spaß: Die Freunde basteln in einem japanischen Café aus zwei Monitoren einen Zeittunnel, der ihnen erlaubt weiter in der Zukunft zu sehen. Aber was fängt man damit an, dass man in die Zukunft schauen kann? Vielleicht steht der Film etwas im Windschatten von ONE CUT OF THE DEAD, mit dem er nicht ganz mithalten kann. Dazu fasert er im Mittelteil doch etwas aus. Aber rechtzeitig kommt mit neuen Figuren wieder neuer Drive und dann kehrt der Film zu seinem Boy meets Girl-Thema zurück und alles wird gut.

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